Gelungene Covers #2: John Frusciante

(Holly.) Luc hat endlich die Kategorie „gelungene Cover-Versionen“ eröffnet, das reißt auch mich aus meiner Schreibstarre! Wobei die Schreibstarre vor allem einem besonders hartnäckigen Broterwerbs-Projekt geschuldet ist. Ebenjenes Projekt kostet mich derzeit beträchtlich Nerven und Aufmerksamkeit, und zwar in dem Maße, dass ich seit einigen Tagen nur noch einen nicht weiter namentlich zu nennenden Radiosender ertrage, der garantiert keine nach 1989 aufgenommene Note sendet, jedoch seine Heavy Rotation durchaus auch mit weiter zurückliegenden Jahrzehnten befüllt (ich rede nicht von Klassik-Radio). Klingt grenzwertig, aber der Zweck heiligt momentan die musikalischen Mittel, und „Why Can’t this be Love“, „Life is for Living“ und „Wuthering Heights“ sind da auf wundersame Weise zuträglich.

Zwischendurch läuft auch mal Cat Stevens und das erinnert mich an eine frühe romantische Phase meiner Jugend, als ich meinen ersten Liebeskummer in „Nights in White Satin“ aufweichte und „Morning has broken“ und „Killing me softly“ zum Pflichtrepertoire im Musikunterricht gehörten. Zurück zu Cat Stevens, wegen meiner Jugend kann ich den jetzt nicht mehr unbeschwert genießen, aber mir fällt auf, dass mir seine Stimme doch irgendwie gefällt, ja vielleicht sogar ein wenig fehlt, ab und zu. Und damit bin ich bei meiner gelungenen Cover-Version, wenngleich sie als Live-Darbietung ein bisschen aus der Kategorie fällt. Im Jahr 2007 singt der dieses-Mal-wohl-für-immer-Ex-Red Hot Chili Peppers-Gitarrist John Frusciante eine Solo-Version von Cat Stevens „How Can I Tell You“. Wäre da nicht das eher zeitgemäße Konzertgejohle im Vordergrund der Youtube-Aufnahme, man würde schwören, es wäre Mr. Stevens selbst, der da singt. Und nicht nur das, der Auftritt gehört mit zum Herrzerreißendsten, was ich je auf Youtube finden konnte. Jemand schrieb mal treffenderweise zu einem der ersten von Johns Solo-Konzerten, Frusciante auf der Bühne erinnere an einen Welpen, der sich vor Aufregung selbst anpinkelt.

Vermutlich fehlt mir nicht Cat Stevens Stimme, sondern John Frusciante, der für alles steht, was je gut war an RHCP (abzüglich dem Part, für den Rick Rubin verantwortlich war). Ein Genie, ein Musikverrückter, eine für diese Welt vermutlich viel zu empfindsame Seele. Die Schmerzintensität und Melancholie in Frusciantes Musik erinnern zwar an Elliott Smith, dennoch ist da immer auch dieser Lebens- und Liebeshunger und die positive Kraft, die Californication zu einem der beeindruckendsten Alben der neunziger Jahre gemacht haben. Ich bin zu zwei RHCP-Konzerten gegangen, weil ich die Momente des improvisierten Zusammenspiels von Flea und John Fruciante geliebt habe, glücklicherweise gehörte zu diesen beiden Konzerten auch das Hamburger von 2003, bei dem Michael Rother später auf die Bühne kam. Leider war ich damals noch ein wenig zu jung, um die Bedeutung dieser Zusammenkunft tatsächlich wertschätzen zu können.

Frusciantes Ausstieg aus der Band, die zunehmend keine Band mehr war, sondern ein Showzirkus, war konsequent. Auf dem letzten RHCP-Album scheint, wie sogar die ZEIT schrieb, etwas zu fehlen „dort, wo die Musik ihre Seele haben sollte“. Frusciante hat sich selbst durch seinen Buddy Josh Klinghoffer ersetzt, der seine Sache sicher gut macht. Er selbst macht inzwischen Elektro und nimmt Alben mit RZA auf – und das scheint nur eine weitere logische Konsequenz seiner allumfassenden, existentiellen Liebe zur Musik zu sein.

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