tentativism

The kids are sick again, nothing to look forward to.

Tag: Future Islands

We’re the restless hearted

(Holly:) Zeit ist nur das eine Problem: Nicht nur, dass ich es seit August letzten Jahres nicht zustande bringe, Reynolds „Retromania“ zu beenden (wie es sich für disziplinierte Pop-Blogschreiberinnen gehört), Thomas Heckens „Pop“-Anthologie mahnt ebenfalls seit geraumer Zeit unangetastet und still vor sich hin, sogar der ME des Monats Mai ist nicht ausgelesen, und dabei liegt der neue schon im Regal. So wird das nichts mit der Themenfindung. Auch sonst herrscht musiktechnisch eher Langeweile, schwierig, wenn man das Konzerthighlight des Jahres vermutlich schon Anfang März erleben durfte (und einem nichts anderes einfällt, als zu versuchen, es im September zu wiederholen). Ich bemüh mich ja, wenigstens zwischendurch in frische Musik zu investieren (zB. Das Debut von Fiction, wird hiermit empfohlen, bedarf aber eigentlich auch nicht mehr als dieser drei Worte.).

Es ist nicht so, dass ich nicht angefangen hätte zu schreiben. Doch der geplante Beitrag zum Thema „Frauen und Popmusik“ gestaltete sich nach kurzer Zeit schwerer als gedacht. Nach einer Eingangsrecherche von der Dauer eines durchschnittlichen Punk-Songs musste ich die Ausgangsthese, dass nur eine erlesene Handvoll Frauen meinen gehobenen goûts musicaux zu befriedigen wüssten, bereits verwerfen. Dazu kamen die Zweifel: sollte ich die in den letzten Beiträgen mühsam erschriebene Emanzen-Credibility durch den drohendenVorwurf von „Stutenbissigkeit“ tatsächlich leichtfertig aufs Spiel setzen? Ermutigung kam von Freund M.: Männer seien ja nun „bekanntermaßen romantischer veranlagt“ (als Frauen), womit die „Performance“ für Männer als Kanal für emotionale Anwandlungen wichtiger sei. Zudem, so M. (sinngemäß), seien Frauen gehemmter: Mal ehrlich, schrieb M., „Welche Frau würde sich auf eine Bühne stellen und heulend-säuselnd Zeilen wie z.B. `I only wanna be your one life stand´ singen, ohne dabei vor Scham im Boden zu versinken?“

Da ich mich natürlich mit solch gender-stereotypen Annahmen niemals aus diesem Blog-Fenster lehnen würde, hab ich das Thema hernach verworfen. Die Geschichte mit der vermeintlich ungleich verteilten Romantik-Kompetenz hat mich aber auf eine neue, zugebenermaßen wenig originelle, Idee gebracht: Ich gehe auf die Suche nach dem perfekten Lovesong.

Ja, auch nicht gerade ein low-risk-Blogbeitrag. Um M.‘s Beispiel aufzugreifen: Hot Chip sind ohne Zweifel große Romantiker und produzieren Kitsch in ungeahnten Dimensionen. Aber Liebeslieder? So richtig? Vielleicht liegt’s an Alexis Taylor’s Falsett, vermutlich aber eher am Tempo: Liebeslieder sind nicht zum Tanzen. Ich weiß – ein hartes Kriterium, denn damit scheiden nicht nur Klassiker wie „You got the love“ aus, auch große Emo-Kunstwerke wie sie etwa die hier schon viel gelobten Future Islands liefern, laufen außer Konkurrenz.

Also: getragenes Tempo! Was noch? Nicht zu viel Schmalz und Kitsch und auch nicht zu viel Gejaule und Geleide. Barry White kommt nicht in Frage, ebenso kaum eine der vielen vermeintlichen “Soul-Diven”. Elvis? Vielleicht. Aber nicht Nick Drake, nicht Sam Beam, nicht Jose Gonzales und auch sonst kein Artverwandter. Um nicht weitere Ausschlusskriterien aufzuzählen: hier kommen meine vier liebsten Liebeslieder.

I’ll Stand by You – The Pretenders
Hier besticht die Haltung. Trostangebote sind ja nun kein seltenes Motiv in gefühlsbetonteren Musikstücken, doch hier wird nichts beschönigt. Die Aufforderung, nichts zurückzuhalten, die Versicherung, dass es okay ist, mad zu sein, dass keine Offenbarung zu viel sei. Keine Frage, Chrissie Hynde nimmt man das voll ab. Ein großer Song, dem man selbst das chorale Ende verzeiht (findet sogar Luc).

Heaven – Byran Adams
Okay, von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu „The Glory of Love“. Und man muss sich schon sehr zurückhalten, um bei „Heaven“ nicht die Wolfgang-Petry-Faust zu ballen. Aber ich bin wirklich verzückt, wie Bryan Adams mit seiner Stimme, die ja gern mit Verweis auf Holzwerkzeuge beschrieben wird, so schuljungenhaft entwaffnet diese Liebeserklärung abgibt. Außerdem: gibt es im Deutschen eine ähnlich tolle Formulierung wie „You keep me coming back for more“?

As – Stevie Wonder
Ja, gut, oben hab ich Souldiven und –boys noch ausgeschlossen. Und die Pop-Kriterien sind hier auch nicht so richtig erfüllt. Dafür aber umso mehr ewige Liebe, und darum geht es hier ja schließlich. Eine astreine britische Lady erzählte mir mal, beim Singen dieses Liedes ihre Tochter entbunden zu haben, just zu den Worten „But you can bet you life times that and twice its double that God knew exactly where he wanted you to be placed” sei diese auf die Welt gerutscht – um einige Jahre später als Meeresbiologin im bornesischen Urwald mit einem Eingeborenen eine Familie zu gründen. Einmal habe ich eine Hochzeitsrede geschrieben, aufbauend auf diesem Song. Leider konnte ich sie nicht halten, seitdem warte ich auf die Silberhochzeit von A. und S., die meinem nicht uninformierten Eindruck nach eine ganze Menge von echter Liebe verstehen, und denen bis zu ihrer Silberhochzeit erstmal diese Widmung reichen muss.

Slave to Love – Bryan Ferry
Echte Liebeslieder haben natürlich ein besonderes Qualitätsmerkmal: man kann sie nicht zu oft hören – und sie sind irgendwie auch universal, zu groß, um sie mit nur einer Liebschaft zu teilen, um sie dann irgendwann nicht mehr ertragen zu können. „Slave to Love“ ist ja wohl mal der ultimative Lovesong, in erster Linie natürlich wegen der Kuhglocke. Es gab da mal einen super Film aus dem Jahre 1986, „Fire with Fire“, mit Craig Sheffer und Virginia Madsen. Ein einziger feuchter Mädchentraum, schlimmer als Dirty Dancing. Eine verwaiste Klosterschülerin und ein junger Sträfling (der nur seine Mutter vor dem prügelnden Stiefvater beschützen wollte) begegnen sich im Wald, wo sie sich als Ophelia inszeniert. Später veranstalten die Klosterschule und die Strafkolonie einen gemeinsamen Ball (wirklich!!), die beiden tanzen – und zwar zu welchem Lied? Genau. Vor Jahren wollte ich den Film auf Ebay ersteigern – in der VHS-Hülle die ankam, war eine falsche Kassette. Ich bin immer noch auf der Suche.

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MSDockville 2012: Die baumwollgebeutelten Massen

Holly & Luc waren auf dem MSDockville-Festival in Hamburg. Wie das war, erfahrt ihr hier.
(Luc): Natürlich waren wir skeptisch. Immerhin findet das Dockville in Hamburg statt. Wir erwarteten also das übliche Hamburger Publikum, d.h. Agenturgesocks und in Esprit-Vollmontur gekleidete Dorfschönheiten, die gerade erst aus Schleswig oder anderen Holsteinischen Käffern zugezogen sind und jetzt in HH ihren Berlin-Film ausleben. Leider trifft dort zu oft heillose Arroganz auf komplette Unkenntnis der kulturellen Codes auf Popkonzerten (z.B. „ist es voll, dann freut man sich und haut nicht mit dem Ellenbogen auf den Nachbarn ein“). Wir waren also darauf vorbereitet, ein ganzes Wochenende genervt zu sein.
Auf der anderen Seite war das Line-Up nicht verhandelbar: Hot Chip, Future Islands, Maximo Park, Metronomy, The Hundred in the Hands, Apparat, Maccabees, Wye Oak – sogar Frittenbude! Und das mit der Option, nicht zelten zu müssen. Wenn also das Publikum nervt, so kann man sich wenigstens über die Acts freuen. Zumal mit Hot Chip und Future Islands zwei Bands dabei waren, die vorher ihre beglückenden Qualitäten über die Maßen unter Beweis gestellt haben. Lediglich von Maximo Park war nicht viel zu erwarten, nachdem sie 2009 eine derart lustlose Performance abgegeben haben, dass man befürchten mußte, dass sie sich gleich nach dem Konzert auflösen werden. Mehr als alte Helden, die dem Geld wegen noch herumtouren, erwarteten wir also nicht.  

#Tag 1/Freitag

(Holly): Ich verdanke MAXIMO PARK eine Menge. “Our Velocity” hat mich mein Leben verändern lassen, ich muss es so pathetisch sagen. Doch nach einem sehnlich erwarteten, aber eher enttäuschenden Konzert im Oktober 2009 wurde ich undankbar. Luc und andere Männer waren auch nicht so überzeugt, “Mädchenmusik” schmähten sie (Hab ich nie gesagt! Luc). Ich begann fast, mich zu schämen. Also gab ich mich cool als am frühen Freitag abend die 5 Geordies in gewohntem Look die Hauptbühne enterten. Doch was ist das? Luc wippt mit dem Kopf. Gefällt es ihm etwa? Wir schleichen uns unverbindlich näher. “I’ll do graffiti, if you sing to me in french”. Diese eigensinnige MP-Lyrik, wo hört man sowas noch? Dann: Dieses verzerrte Keyboard, ja genau, das…, und dann diese Gitarre: “Limassol”! Sieben Jahre alt und frisch und lecker. Und danach “I want you to stay”. Wie konnte ich das vergessen haben? “Cause nothing works out here, where cranes collect the sky”. Und plötzlich ging alles genau auf, während die Sonne hinter den Hafenkränen unterging…

And the winner was… MAXIMO PARK! Mir gings bis zum Dockville leider nicht anders als der popkulturellen Mehrheit. Maximo Park waren vom Tisch. Spätestens als dieser „Books and Boxes“-Song auf WDR 2 lief, war der Drops gelutscht. Dabei waren die so gut, damals, 2005, als sie zusammen mit den Futureheads dem vorherrschenden Retrogerocke eine groovige Zackigkeit entgegengesetzt haben. Und dann kam dieser Ü-30-Track. Aber mit welcher Verve die aufgetreten sind, war herrlich. Und selbst der kritische Geist muß eingestehen, dass die Band einen Haufen richtig guter Songs hat. Und wenn ich als solcher der Band gegenüber schon zu dem Schluß komme, dann haben sich Maximo Park an diesem Abend zumindest einen neuen Supporter erspielt.

Auf HOT CHIP freu ich mich derart groß, dass es eigentlich nur schief gehen kann. Ich höre rechtzeitig mit dem Bier auf, niemals möchte ich in meiner Erinnerung Hot Chip mit Dixie-Klos zusammenbringen müssen. Also schnell drei Schnäpse an der etwas prolligen Pseudo-VIP-Theke und dann von rechts aussen vor die Bühne drängen. Kaum haben wir eine geeignete Position erkämpft….kommen Hot Chip auf die Bühne.  Seit Monaten male ich mir den Beginn dieses Hollys-Welt-Ereignisses aus, denke an Lichteffekte, Einlaufmusik, sinniere über mögliche Opener und dann das. Keine Verspätung, keine Effekte, kein Gehabe. Erst “Boy from School” reisst mich  aus meiner Überraschung. Los geht’s. Arme hoch und schreien. Neben mir springt Luc ekstatisch auf und ab und gibt den umstehenden, gerade noch ihre Emails checkenden Ignoranten unser Platzbedürfnis zu verstehen. Für die nächste Stunde vergesse ich mich. Höhepunkt; “I feel better”. Ihr nennt es Kitsch? Ich nenne es Glück. “Nothing ist wasted and life is worth living”, über uns der Nachthimmel.  Erst “Let me be him” lässt mich vorübergehend zur Besinnung kommen (warum wird noch zu berichten sein), ich habe Zeit, die Bühne in Augenschein zu nehmen. Rob Smoughton sieht mit diesem Hawaii-Hemd eher nach BeachBoys-Cover aus, Alexis Taylor hat das geekige überperfektioniert, Felix Martin sieht aus wie aus einem Coen-Brüder-Film – wenn diese Männer tatsächlich gerade Richtlinenkompetenz in Sachen Pop und Coolness haben, dann bin ich d’accord mit dem Zeitgeist. Ekstase again: “Hold on”! I’m only going to heaven if it sounds like Hot Chip!

Auf das Zelten haben wir nicht nur wegen meiner zuweilen eher damenhaften Anmutung und den aus dem fortgeschrittenen Erwachsenalter resultierenden Ansprüchen an Komfort und Bequemlichkeit verzichtet. Wir hatten vielmehr einen viel besseren Grund, nämlich eine freie Luftmatratze bei uns liebevoll umsorgenden und uns zu unserem Vergnügen auch noch begleitenden freien Hamburger Hansestädtern. Nach Frühstück auf dem Balkon also in aller Ruhe wieder in die S-Bahn und den Shuttle – Sonnencreme nicht vergessen! Dank der beiden exzellenten Food-Courts auf dem Festival-Gelände ist auch der obligatorische Kater-Pommes-Supply sichergestellt. Derart gestärkt kann’s wieder losgehen!

#Tag 2/Samstag

Die Deutsche Post bzw. DHL haben seit jeher ein Händchen für häßliche Werbefiguren. Rolf („Fünf ist Trümpf“) war dabei noch der sympathischste von allen. Aber wer schüttelte sich nicht bei den Figuren, die unlängst für den E-Post-Brief werben mußten? Die neueste Kreatur aus dem schier unerschöpflichen Hackfressenrepertoire der beauftragten Werbeagentur war dieser junge Herr. „OK“, dachte ich bei dem letzten Gang zur Packstation, „jetzt haben sie es echt übertrieben. Was alte Leute sich so vorstellen, wie junge Leute heute so rumrennen“.  
Was hat das mit dem Festival zu tun: Nun, genau solche Leute rannten da zu meinem Erschrecken rum. Und die kamen nicht so rüber, als würden die Packstation-Promotion machen. Die sahen für lau so aus. Zwar nicht in Masse und Einheitlichkeit wie die Boho-Backfische, aber es gibt sie. Jetzt kann man natürlich sagen, dass auf ’nem Festival alles darf, was sonst nicht so geht, aber damit gibt man ja gleich zu, dass „unter der Woche“ der Hase anders läuft – klassisches Spießertum halt. Und ich glaube, genau das ist der Grund, warum ich immer wieder an den rheinischen Karneval erinnert wurde: billiges Fluchtverhalten.

Wir müssen in die erste Reihe. Deswegen stehen wir schon vor der Maschinenraum-Bühne als noch Urban Cone aus Schweden auf der Bühne stehen (über das wundersame Verhältnis von Popmusik und Schweden wird in diesem Blog noch zu schreiben sein). Als Zugabe gibt’s den Hit (“Urban Photograph“), danach lichten sich die Reihen und wir streben zielstrebig zum Absperrgitter vor der Bühne. Gewimmel auf der Bühne, die 5 Schweden räumen ihre Instrumente selbst ab, dahinter stehen schon die 3 Baltimorer bereit. Ist es übertrieben schon beim Soundcheck zu kreischen? Sam Herring singt eine Solo-Version von “Swept Inside”, die mir noch Tage später im Ohr hängt. Ich bin so aufgeregt, ich fürchte fast, ohnmächtig zu werden. Dann merke ich, dass es nur die Bassboxen sind, die dieses flaue Gefühl erzeugen. Auf der Hauptbühne spielen gleich Metronomy, ob wohl noch ein paar Leute hierbleiben? Die Sonne geht unter, das richtige Ambiente für FUTURE ISLANDS, sieht ja fast aus wie in Baltimore hier. Es geht los, “Give us the wind”. Frenetischer Jubel, es scheint sich tatsächlich herumgesprochen zu haben, dass ein Future Islands-Konzert ein Geschenk für die Seele ist, eine vollwertige, vitaminreiche, heilende Mahlzeit. Die Ordner scheinen ein bisschen überrascht über die Begeisterung den diese ungewöhnliche Performance von Sam Herring auslöst. Spätestens bei “Walking through that door” ist der Höhepunkt der Begeisterung erreicht, crowd surfing, fliegende BHs sich zum Bühnenrand reckende Hände, der Sound bricht in dem massenhaften Geschrei zusammen. Die Steel Drums in “Tin Man” klingen auf einmal Fussballstadiontauglich. Who cares about Metronomy? Ein bisschen eigentümlich ist es schon, der Pathos und die Tiefe der Musik – und die fast hyterische Menge. Ach was eigentümlich, es ist großartig. Unter Zeitdruck versuchen die Drei soviele Songs wie möglich unterzubringen, aber der Zeitplan ist unerbittlich. Sam verhandelt zwar am Ende per Handzeichen mit dem Soundmenschen, aber als er mitkriegt, dass nur noch ein Song geht, heizt er die anderen an, schnell zu machen, um noch zwei Songs zu schaffen. Daumen hoch. Keine Zugabe, aber eine dennoch glücklich zurückbleibende Festivalmenge.

Der Rest vom Indiefest: ich muß jetzt schnell machen, denn je länger ich für diesen Text brauche, desto mehr vergesse ich, wer gespielt hat. Das liegt nicht an mir (ich nehme Gingkopräparate) sondern an der Mittelmäßigkeit der meisten Bands. The Jezebels, Veronica – ach nein, Darkness Falls (leider!), Whomadewho, Urban Dope, hinterließen einen Eindruck, so nachhaltig wie ein Glas Wasser. Einzig WYE OAK fielen positiv auf. Erschreckend zudem die generelle Lustlosigkeit, mit der  die meisten aufgetreten sind. Und nein, das wirkt nicht cool oder slacky, sondern einfach nur tranig. Aber für die Kids reichts anscheinend, jedenfalls hatten selbst die Langweiler von Whomadewho ihr Publikum. Es ist halt kein Zufall, dass sich Maximo Park und Future Islands als große Gewinner herausstellten, denn selbst das abgezockteste Publikum schätzt es wert, wenn die Darbietungen mit Drive vorgetragen werden.

Was war sonst noch? WHOMADEWHO, eigentlich mit Sympathievorschuss, leider irgendwie lahm. Aber der Samstagsnachmittag zur Kuchenzeit ist nicht die Kulisse, die ich mir ausgemalt hatte. „The Sun“ hatte ich mir festivaltauglich vorgestellt, entspricht ja vom Kracher-Nachhaltigkeits-Verhältnis in etwa einem McSpar-Menü – nicht so richtig das Wahre, muss aber manchmal sein. Nunja, wie gesagt, falsche Zeit, falscher Sound. In einer popkulturell anständigen Welt hätte JAMES BLAKE einen Bierbecherhagel abbekommen, dafür, dass er allen mit seinem Gejaule den herrlichen Samstagabend versauen wollte. Wir bedanken uns daher bei einem bekannten Schnapsproduzenten, dass er uns vor dem Siechtum bewahrt hat!

Leider zu kurz gekommen: THE MACCABEES. Das zweite Album „Wall of Arms“ hatte mir gut gefallen, wir sehen sie nur von weitem und im Vorbeigehen, so ist das eben auf Festivals, aber den Leuten scheint es gut gefallen zu haben und der Bühneneindruck überzeugte. Und METRONOMY? Wir sehen die letzte Viertelstunde, keine schlechte Performance, kein schlechter Sound, “Corinne” immerhin einer meiner Liebslingssongs. Aber im Vergleich zu Maximo Park, Hot Chip und Future Islands sagt das Gefühl, dass Metronomy eine Band ist, die im mp3-Format ausreicht.

#The day after

Montag im Büro. Stündliches Prüfen ob nicht jemand Hot Chip oder Future Islands-Mitschnitte bei youtube hochgeladen hat, noch nicht der Fall. Also wieder die alten Videos: Hot Chip in Glastonbury, Tränen in den Augen, ist wohl die nachwirkende Müdigkeit. Die drei alten Maximo Park-Alben auf den IPod geschoben (ich habe sie gar meiner Discogs-Wantlist hinzugefügt, Luc), faszinierend, sogar das dritte Album ist toll. Sollte ich womöglich das neue anhören? Das Wochenende hat nachhaltig gut getan. Sollte man sich merken.

PS: Vielen Dank und viele Grüße an O. & P. nach Hamburg!

MS DOCKVILLE Motivplakat 2012

Motiv: Jakobus Siebels
Design: yytt.de
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