What’s in a name?

(Holly:) Ich nutze Spotify noch nicht mal und trotzdem verzweifle ich an dem Gedanken, dass die Streaming-Algorithmen mir eben nicht das für mich Beste aus 25 Millionen Songs sondern doch nur die Major-Heavy Rotation servieren könnten und ich all die tollen Bands (wie diese hier) dann doch verpasse. Aber es ist alles noch viel schlimmer: ich verpasse ja nicht nur den mir noch-unbekannten hot shit – ich schaffe es noch nicht mal den bekannten hot shit zu hören. Ich habe 2013 zwar zu einem Playback von „Get Lucky“ am Ärmel von Nile Rodgers weißem Anzug gerupft (okay, ich war nur mit den Fingerspitzen dran – aber das Liveset vorher habe ich auch bejubelt) – Random Access Memories habe ich nie auch nur bei Itunes angehört. Statt Reflektor wie ein anständiger Fan schon mal im September vorzubestellen, gucke ich Live-Videos von „Wake up“ und denke an die Festival-Saison 2014. Das neue MGMT-Album habe ich immerhin zwei mal angehört – also die Schnipselchen auf Itunes. Das an sich ist schon bedenklich. Noch fragwürdiger wird es, wenn ich statt Flux oder Detektor.FM immer nur Oldie 95 oder „Underground Eighties“ höre (ist entspannender bei der Arbeit). Das ist gefährlich, ehe man sich’s versieht schreibt man auf youtube unter Hot Chip-Videos Kommentare à la „Das war wenigstens noch ordentliche Musik damals“.

Das Angebot an neuer und alter Musik ist natürlich auch überwältigend, da müssen Auswahlkriterien her. Punktesysteme, sowas in der Art – wenn ich schon den Spotify-, Amazon- und Last-FM Algorithmen nicht traue. Wenn ich allerdings auf Metacritics.com nach dem höchstbewerteten Album 2013 schaue, wird mir Fleetwod Mac vorgeschlagen. Kenne ich schon. Lange. Da hilft nur: Reviews tatsächlich mal lesen (und vielleicht doch mal Detektor und Flux einschalten) – und anschließend nachhören. Mit dem Lesen ist es jedoch so eine Sache: ich bin ja zum Beispiel ein Fan von anonymen Bewerbungen – wenn schon nicht anonym, dann auf jeden Fall ohne Foto. Alles andere ist irreführende Ablenkung vom Wesentlichen. Genauso ist es mit Bandnamen. Anonyme Reviews, das wär was. Denn so manch vielversprechende Newcomer-Band sortier ich ungelesen und ungehört aus. Glasvegas und Foxygen? Vielleicht ja ganz gute Bands, aber diese Wortspiele? Näh. Biffy Clyro? Keine Chance (aber auch kein großer Verlust, wage ich zu behaupten). Kakkmaddafakka? Boykottiere ich aus Prinzip wegen des abgekakkmaddafakkten Namens. Chuckamuck? Wer denkt da nicht gleich an ShowaddywaddyThe Fratellis? Bin kein Zirkus-Fan. The Donuts? Bäh.

Das ist natürlich vollkommen irrational. Ich sehe auch ein, dass die Wahl des Bandnames schnell zu einem quälend-lähmend-überfrachteten Unterfangen werden kann. Zwar bieten sich zur Orientierung bekannte Schemata wie Zweifach-Wiederholungen (Duran Duran, Django Django, Everything Everything), Dreifach-Wiederholungen (Wet Wet Wet, Lovelovelove), was mit distinktiven Satzzeichen ohne Rücksicht auf Aussprache (Portugal. The Man, !!!, Kwes., Panic! At the Disco, On!Air!Library!,3OH!3, Therapy?, ¡Forward, Russia!), etwas ohne distinktive Satzzeichen (iamwhoiamwhoami, lwrestledabearonce), kryptische  Abkürzungen (CFCF, ASG, KXP),  oder, besonders originell: Dollar- oder Sonderzeichen (A$AP Rocky, µ–Ziq, Ke$ha). Beliebt scheinbar auch: Berge (Mount Eerie, Mount Kimbie, Mount Moriah, The Mountain Goats, Moving Mountains) und Äpfel (The History of Apple Pie, The Appleseed Cast, Apple Orchard, The Apple Moths).

Das klassische „The + beliebiger Plural“ ist ja sozusagen der Volkswagen unter den Bandnamen, vollkommen risikolos. Klar, es kann nicht jeder einen so knackigen und sogar zum musikalischen Inhalt passenden Namen wie Cut Copy haben. Oder etwas gut über die Lippen gehendes wie Shout Out Louds. Dann lieber was komplett sinnfreies wie: Scott and Charlene’s Wedding oder dan le sac Vs Scroobius Pip. Lässt sich immerhin gut googeln.