tentativism

The kids are sick again, nothing to look forward to.

Monat: November, 2012

Where On Earth Is Kevin Shields?

(Luc) Wir sind zu nörgelig hier bei tentativism? Hier zur Abwechslung blindes Fantum und völlig kritikloser Hype! Obige Überschrift war einst (1999) Titel einer Platte der Band P.S. I LOVE YOU. Er sprach ziemlich vielen aus der Seele, denn man befürchtete, er liege im Crackrausch unter einer Londoner Brücke oder ist nach 5 Tagen, an denen er denselben Akkord durchspielte, plötzlich tot umgefallen. Heute wissen wir dank Internet mehr, aber bringen tuts uns eigentlich nichts. Wenn sich aber alles bewahrheitet, dann ist Ende Dezember zwar nicht die Erde vorbei, dafür aber die Geschichte der Rockmusik, denn Kevin Shields hat tatsächlich nochmal bekräftigt, dass „sie“ noch dieses Jahr rauskommen soll. Wir wissen alle, wie oft er das gesagt hat, aber alleine die Vorstellung, dass MY BLOODY VALENTINE im Studio Musik produzieren, hat bei mir ungefähr den gleichen Effekt wie Meeresrauschen oder Waldbilder bei anderen. Eine große Rolle spielt dabei, dass ich mir dann einbilden kann, sie würden deswegen ein paar Konzerte spielen, zu denen ich dann auch hin kann (2008 war ich verhindert, Tokio bzw. Melbourne 2012 ist mir doch zu weit). Ich kann nicht verstehen, wieso nicht jeder Mensch mit ein wenig gutem Musikgeschmack sich nicht wünscht, sich bei einem Konzert von MY BLOODY VALENTINE von seinem oder ihrem Gehör zu verabschieden – am besten, wenn das letzte, was man gehört hat „From Here Knows When“ ist. Aber ich verstehe auch Cargohosen, Bubble Tea oder Frauen mit Schirmmützen nicht. In jedem Fall wäre dann erstmal das letzte Wort in Sachen „Shoegaze“ gesprochen, nachdem der Begriff in den letzten Jahren komplett von Sinn befreit wurde, aber dazu ein andermal. Und überhaupt: Herr Shields soll zudem noch bei der neuen PRIMAL SCREAM mit dabei sein. Stellt euch mal vor: XTRMNTR Teil 2! (Im Jahr 2000 wußten wir natürlich, wo sich Kevin Shields im Jahr zuvor rumtrieb).

Und jetzt stellt euch nur mal vor, BOARDS OF CANADA würden nächstes Jahr…

Woman, Woman

(Holly:) Puh, eigentlich sollte an dieser Stelle eine „Es muss nicht immer Feist Sein“-Playlist mit feinsinniger entspannter Musik vorgestellt werden. Diese wurde dann, bevor der Text überhaupt geschrieben werden konnte, traurigerweise zur Terry Callier-Gedächtnis-Playlist. Doch dazu später mehr.

Holly hat wieder Zeit für die ZEIT! Spannende Themen diese Woche: Hausfrauen (Titel) und Schönheitswahn (Dossier)! Nachdem sich letzte Woche das ZEIT-Magazin schon mit einem empfehlenswerten Beitrag über Pädophilie hervorgetan hat (zudem man lieber nicht die Kommentare auf der ZEIT-Magazin-Facebook-Seite lesen sollte, es sei denn man plant just einen Amoklauf oder sonstige Anschläge aller Art), diese Woche also mehrere Beiträge zum gefährlichen Lebensmodell Hausfrau. Julia Friedrichs dokumentiert die Lebensrealität von (Haus)frauen in Zahlen: „70 Prozent der Niedriglöhner sind Frauen. 97 Prozent der Vorstandschefs der börsennotierten Unternehmen sind Männer. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, jede Dritte ist arm, hat also weniger als 1015 Euro im Monat, um sich und ein Kind zu versorgen. Das verfügbare Durchschnittseinkommen von Vätern dagegen steigt nach einer Trennung.“

Prima, dass die Koalition sich letzte Nacht so viele Gedanken gemacht, wie mit dieser Situation adäquat umzugehen ist! Im Hauptteil der ZEIT lobt dann Frau Rückert das Modell Hausfrau als Lebensmodell, welches sich gegen ein neoliberales Rattenrennen richte –  und glorifiziert die mächtige Position der Hausfrau in der vorindustriellen Gesellschaft. Ein paar Seiten später heißt es im Dossier: „Für eine Umfrage der Frauenzeitschrift Petra wurden im vergangenen Jahr 1000 Frauen gefragt, ob sie zehn Punkte ihres Intelligenzquotienten opfern würden, wenn sie dafür einen Schönheitsmakel ausgleichen könnten. Fast drei Viertel der Frauen antworteten mit Ja.“

Das alles ist ganz schön kompliziert. Das Hausfrauen-Modell als Gegenentwurf zum spätkapitalistischen Konkurrenzkampf zu erheben, kommt mir perfide vor. Sabine Rückert ist übrigens neuerdings stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT – Pro-Quote.de feiert das als Erfolg und sieht sich dafür deutlicher Kritik aus den eigenen Reihen ausgesetzt. Zu Recht? Es wird immer komplizierter. Ich hätte so gerne noch 10 IQ-Punkte mehr, dann könnte ich zu alldem vielleicht etwas Konstruktives beitragen. Im Moment bin ich einfach nur verwirrt, ich kann mich einfach nicht entscheiden, was an mir makellos genug ist, um es gegen mehr Intelligenz einzutauschen…

Also mache ich mich lieber an den Text zur Playlist: als zum Thema passenden Vorgeschmack empfehle ich Johnny Bristol: Woman, Woman